Mist! Warum zur Hölle hatte ich nur zugesagt?

Ich fluchte und fragte mich, wie ich dazu nur hatte zustimmen können. Zu einem verflixten $ 1.000-Produkt…

Zwei Monate vorher hatte ich ein anderes Produkt beworben, das richtig gut gegangen war – aber das hatte bloß 67 Dollar gekostet.

Und nicht 1.000. Nicht 15 Mal so viel!

Und als ob das nicht schlimm genug gewesen wäre, sollte ich komplett verrückt spielen, in einen Flieger springen und über den verflixten Atlantik von London bis nach Las Vegas jetten…

Jetzt sitze ich also da…

… im 23. Stockwerk des protzigen Wynn Hotels. Aber anstatt mit einer langbeinigen Granate am Arm durchs Kasino zu streifen, mit einem Cocktail für 30 Dollar bewaffnet…

… starre ich ganz allein in meinem Zimmer auf einen leeren Bildschirm und blinkenden Cursor und frage mich, wie ich mich nur in so einen Schlamassel habe reinreiten können.

Der Blick ist zwar großartig…

… aber ich bin ja nicht wegen des Ausblicks hier. Ich bin hier, um als Affiliate-Partner eine Promotion für ein $ 1.000-Produkt runterzureißen.

In die ich blöderweise vor einer Woche eingewilligt hatte (da war Bier mit im Spiel). Los jetzt, du Schlaukopf, schreib irgendwas. Das schreibt sich nicht von allein.

Denk nach.

In die andere Richtung rennen, wenn alle anderen Affiliates in die eine Richtung rennen.

Ich hämmerte auf das Keyboard meines Apple iBook G4 ein. Klick, klicketiklick. Enter. Klick klicketiklick. Enter.

Nachdem ich zwei Tage in diesem verdammten Zimmer verbracht – und E-Mail um E-Mail runtergetippt hatte – war es Zeit, die Suppe auszulöffeln.

Der Weg, den ich gekommen war, war eine schwere emotionale Achterbahnfahrt gewesen…

Ich erinnere mich noch an den Tag, als alles begann, so klar und deutlich, als wäre es gestern gewesen. Manche Dinge vergisst man eben nicht

Ich marschierte in den Konferenzraum im Untergeschoss, wusste schon, was jetzt kommen würde, und fühlte mich (seltsamerweise) total gleichmütig. Ja, ich freute mich sogar schon darauf.

Die Dame von der Personalabteilung saß schon da, mit gesenktem Kopf, kein Blickkontakt. Ich mochte sie, sie war ein Freund. Deshalb war es verständlich, dass ihr der Blickkontakt mit mir ein wenig schwer fiel.

Dieser Tag, der 22. Oktober 2003, war ihr erster mit so einer alptraumhaften Berufserfahrung.

Das gehört zur Jobbeschreibung von Personalern. Auch wenn sie hoffen, „Massenentlassungen“ wie dieser entgehen zu können. Für immer.

Der „Boss“ war auch da. Er hatte keine Probleme mit dem Blickkontakt. Ich war mir sogar ziemlich sicher, dass er ein kleines Grinsen im Gesicht hatte.

Er ist nicht mal aufgestanden…

Er hatte sich mit dem Rücken zur Wand postiert. In einer Position der Macht. Kein Zweifel, dass dies nichts Neues und Erschreckendes für ihn war. Er hatte die Hosen an.

„Andre, setzen Sie sich.“

Er winkte mich zu einem Stuhl am Konferenztisch ihm gegenüber. Die Personalabteilungslady saß rechts von mir. Sie hatten mich umzingelt.

Nachdem das Werk mit militärischer Genauigkeit ausgeführt worden war, erhob ich mich, streckte die Hand aus und dankte dem „Boss“ für diese Gelegenheit.

Jetzt trug ich das Lächeln im Gesicht, und das war viel breiter als das heimliche Gefeixe vom „Boss“…

Ich konnte die Verwirrung in seinem Gesicht aufblitzen sehen wie ein pinkfarbenes Neonschild über einem Striplokal in Las Vegas.

Die Leute sollen ja nicht glücklich sein, wenn sie „die Kugel kriegen“. Sie sollten mit Sicherheit nicht dankbar sein. Hat Spaß gemacht, den „Boss“ in so einem verwirrten Zustand zurückzulassen. Mein kleines Abschiedsgeschenk für ihn.

Eine Stunde später, als ich aus dem Gebäude hinauskomplimentiert worden war, mit nichts anderem bewaffnet als mit einer zweimonatigen Abfindung als „Leck-mich-“ Paket für zweieinhalb Jahre loyaler Arbeit, trottete ich über die Straße zum verabredeten Treffpunkt.

Dort wartete schon das andere Dutzend oder so Ex-Angestellter, kauerte auf Barhockern und stärkte sich mit einem 12-Uhr-Bier.

Das war eine surreale Situation…

Die vorherrschende Emotion, die so mächtig sprudelte wie die goldfarbene Flüssigkeit, war Wut auf die Möchtegern-Mächtigen, die über ihren Ex-Arbeitsplatz herrschten.

Ich war aber überhaupt nicht überrascht…

Das passiert immer dann, wenn ein Startup aufgekauft wird. Die losen Enden, das Unnütze, alles muss weggeschwemmt werden.

Und was wäre ein besserer Zeitpunkt als 2 Monate vor Weihnachten, damit sie sich Tausende an Bonuszahlungen einsparen konnten. Sehr clever.

Drei oder vier Halbe später saß ich im Zug, der ratternd aus London herausfuhr, zum letzten Mal mit Anzug und Krawatte schön brav dem Status quo entsprechend.

Es fühlte sich seltsam an, dort zu sitzen.

Nach Hause zu fahren…

… und zu wissen, dass der nächste Tag, der 23. Oktober 2003, mein erster Tag als („arbeitsloser“) Entrepreneur sein würde.

Aber eine Last war mir soeben von den Schultern genommen worden. Ich empfand ein sehr merkwürdiges Gefühl von innerer Ruhe. Ein Gefühl, das ich seither nie vergessen habe.

Ich fühlte mich viel, viel leichter, nachdem ich gerade all den Ballast abgeworfen hatte, den man hat, wenn man in einem verkackten Job mit einem Abteilungsleiter arbeitet, der das Bild von einem A…loch ist.

… und der 23. Oktober 2003 war außerdem der beängstigendste Tag in meinem gesamten verflixten „Berufs-“ Leben.

Ich wusste nicht, wo ich hin sollte.

Es kam keinerlei Geld rein.

Ich war ganz allein, ins tiefe Wasser geworfen, um die Haie abzuwehren.

Es war Zeit, schwimmen zu lernen, und zwar verdammt schnell. Ich hatte keine Ersparnisse und nur 2 Monate Übergangsgeld auf der Bank.

Ich erinnere mich noch, wie ich es meiner Mutter erzählt habe.

„Hallo Mami, ich bin heute gefeuert worden. Und ich suche mir keinen neuen Job. Nie mehr. Ich werde jetzt als Selbständiger arbeiten. Es ist herrlich, ich bin ja so glücklich!“

Schweigen. Ungläubiger Blick.

Das muss der Schock gewesen sein, der langsam einsetzte. Er hatte ihr die Lippen verschlossen.

Aber 4 Sekunden später lagen wir uns in den Armen und sie sagte mir, ich könne alles tun, wozu ich mich entschließen würde.

Der Anfang war nicht leicht. Ich wusste nicht, was zur Hölle ich da eigentlich anstellte.

Damals in 2003 gab es noch keine Online-Mentoren. Das Trainingsmaterial beschränkte sich auf teures, per Post verschicktes Zeug.

Es gab kein „All-you-can-eat-“ Buffet mit eBooks übers Marketing von allem und jedem. Damals existierte das noch gar nicht. Es gab gar nichts.

Jene nächsten drei Jahre waren sagenhaft

… wenn man gestresste 14-Stunden-Tage als sagenhaft bezeichnen kann. Aber ich musste das machen. Ich legte mich irrsinnig ins Zeug.

Irgendwie begann es für mich allmählich als Vollzeit-Affiliate-Marketer zu funktionieren.

Ich war von Anfang an ein Querdenker und weigerte mich, dem Status quo zu entsprechen. Diese frühe Entscheidung hat meinen Weg geprägt.

2004 habe ich ein Buch vom kürzlich verstorbenen Paul Arden gelesen (dem früheren Creative Director von Saatchi and Saatchi, als sie auf dem Gipfel ihres Werberuhmes standen).

Darin handelte eine Seite von Entscheidungen. Und das ist etwas, was ich nie vergessen habe. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass es mich etwa 3 Jahre danach, im November 2006, zum Wynn Hotel geführt hat.

„Wenn du zurückschaust, wird es Dinge geben, die du bereust.
Du hast die falsche Entscheidung getroffen.
Falsch.
Du hast die richtige Entscheidung getroffen.
Leben heißt, Entscheidungen treffen.

  1. Soll ich mir das praktische oder das schnelle Auto kaufen?
  2. Soll ich studieren oder lieber arbeiten gehen?
  3. Soll ich Wein, Bier oder Wasser trinken?

Die Entscheidung, die du jeweils triffst, ist die einzige, die du treffen konntest.
Sonst würdest du ja eine andere treffen.
Alles, was wir tun, entscheiden wir auch.
Was gibt es also zu bereuen?
Du bist der Mensch, der zu sein du dich entschieden hast.“

Paul Arden: Whatever You Think, Think the Opposite

Warum habe ich mich also entschlossen, ein $ 1.000-Produkt zu promoten?

Weil das die einzige Entscheidung war, die ich hätte treffen können. Deshalb. Nachdem ich mich ganze zwei Tage in diesem Hotelzimmer in Las Vegas im 23. Stock des Wynn Hotel eingeschlossen hatte, E-Mail um E-Mail runtergetippt und an meine winzigkleine E-Mail-Liste von weniger als 1.000 Abonnenten, die was gratis haben wollten, verschickt hatte…

… war das, was dann geschehen ist, absolut bahnbrechend für mich. Für immer. Jedenfalls innerlich, wie man sich Größeres zutraut. Viel Größeres.

Es war Showtime.

Es waren nur noch wenige Minuten bis zum Launch…

Ich hatte alles getan, was ich konnte. Also beschlossen das Frauchen und ich, zu einem späten Frühstück nach unten zu fahren.

Ich gönnte mir „Eggs Benedict“. Mein Lieblingsfrühstück. Die im Wynn machen die besten, die ich je gegessen hab‘.anita-cake_150x150

Kleine Miss Nachkatze hat Waffeln mit Erdbeeren genommen. Stell dir vor.

Etwa eine Stunde später fuhren wir mit dem Lift die 23 Stockwerke wieder rauf, um nach der Promotion zu schauen.

Ich erwartete keinerlei positive Resultate. Schon der Verkauf von ein oder zwei Gesamtpaketen zu diesem Preispunkt wäre gradezu ein Wunder gewesen.

Als ich mich also ins Affiliate-Steuerungssystem eingeloggt hatte, glotzte ich nur blöd…

Blinzel blinzel…

Weil ich das Bild nicht glauben konnte, das mir über meine Netzhaut vermittelt wurde, rief ich Anita rüber, um es zu überprüfen.

Eine zweite Meinung.

Das ist sie, wie dieser denkwürdige Moment für immer digital festgehalten wird.

Ich kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich dieses Bild anschaue. Denn das war der Erfolg, nachdem ich den Mumm gehabt hatte, die Würfel auf diesem Niveau zu werfen.

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In dieser einen Stunde zeigte es $ 20.000 in Kommissionen an… was ich mir nur als einen monumentalen Fehler bei der Anrechnung der Verkäufe vorstellen konnte. Es musste ein Fehler sein.

Am Ende habe ich dann über $ 70.000 durch diese Promotion eingesackt. Es war doch kein Anrechnungsfehler gewesen.

Ich habe als Affiliate-partner Nr. 1 abgeschlossen und so dem emotionalen Wirrwarr noch eins draufgesetzt, den ich damals, im Jahre 2006, nach jener Glückssträhne in „Sin City“ empfunden habe.

Ich habe viele Gurus mit großen Namen und enormen E-Mail-Listen aus dem Feld geschlagen. Namen, die man auch heute noch kennt, z.B. Rich Schefren.

… und das alles von einer winzigen Liste mit weniger als 1.000 Abonnenten (für Gratisdinge). …

Jetzt möchte ich dir zeigen, wie ich das angestellt habe.

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